2017 wur­den 101.209 unge­bo­re­ne Kin­der abge­trie­ben

Foto: Tho­mas Schneider/​agwelt

Wies­ba­den (idea) – In Deutsch­land wer­den wie­der mehr Kin­der abge­trie­ben. Das gab das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt (Wies­ba­den) am 6. März bekannt. Dem­zu­fol­ge wur­den im Vor­jahr 101.209 unge­bo­re­ne Kin­der im Mut­ter­leib getö­tet. Das ist ein Plus von 2,5 Pro­zent im Ver­gleich zu 2016. In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren lag die Zahl der Abtrei­bun­gen jeweils bei unter 100.000: 2016 waren es 98.721 Abtrei­bun­gen, 2015 99.237 und im Jahr 2014 99.715. Im ver­gan­ge­nen Jahr waren 72 Pro­zent der Frau­en bei ihrer Abtrei­bung zwi­schen 18 und 34 Jah­re alt, 17 Pro­zent zwi­schen 35 und 39 Jah­re und acht Pro­zent 40 Jah­re und älter. Der Anteil der unter 18-Jäh­ri­gen lag bei drei Pro­zent. 96 Pro­zent der gemel­de­ten Abtrei­bun­gen wur­den nach der Bera­tungs­re­ge­lung vor­ge­nom­men. Eine Bera­tung ist in Deutsch­land vor einer Abtrei­bung zwin­gend vor­ge­schrie­ben. Frau­en erhal­ten danach einen Bera­tungs­schein, der Vor­aus­set­zung für eine rechts­wid­ri­ge, aber straf­freie Abtrei­bung ist. Medi­zi­ni­sche und kri­mi­no­lo­gi­sche Indi­ka­tio­nen waren in vier Pro­zent der Fäl­le der Grund. Die Abtrei­bun­gen erfolg­ten über­wie­gend ambu­lant – rund 79 Pro­zent in gynä­ko­lo­gi­schen Pra­xen und 18 Pro­zent ambu­lant im Kran­ken­haus. Die meis­ten Schwan­ger­schafts­ab­brü­che (22.034) wur­den in Nord­rhein-West­fa­len vor­ge­nom­men, gefolgt von Bay­ern (11.983), Ber­lin (9.649), Hes­sen (8.588) und Baden-Würt­tem­berg (8.584). Sie­ben Pro­zent der Frau­en lie­ßen die Abtrei­bung in einem Bun­des­land vor­neh­men, in dem sie nicht woh­nen.

Lebens­recht­le­rin­nen: Arbeit der Bera­tungs­stel­len muss über­prüft wer­den

Die Bun­des­vor­sit­zen­de der „Akti­on Lebens­recht für Alle“ (ALfA) und Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­ban­des Lebens­recht, Alex­an­dra Lin­der (Weu­s­pert im Sauer­land), sieht nun die Poli­tik in der Ver­ant­wor­tung. Sie sag­te gegen­über der Evan­ge­li­schen Nach­rich­ten­agen­tur idea: „Das Bera­tungs­ge­setz erfüllt damit offen­sicht­lich nicht sei­nen beab­sich­tig­ten Zweck, näm­lich Abtrei­bun­gen zu ver­hin­dern, indem man den Frau­en im Schwan­ger­schafts­kon­flikt wirk­sam hilft.“ Daher müs­se geprüft wer­den, ob die Bera­tungs­stel­len im Sin­ne des Geset­zes han­del­ten. Ange­sichts der „kata­stro­pha­len Sta­tis­ti­ken“ wäre es ein ver­häng­nis­vol­ler Schritt, den Schutz­pa­ra­gra­fen 219a StGB, der Wer­bung für Abtrei­bung unter­sagt, zu ver­än­dern oder abzu­schaf­fen, beton­te Lin­der. Im Deut­schen Bun­des­tag wird der­zeit über eine mög­li­che Locke­rung des Wer­be­ver­bots für Abtrei­bung dis­ku­tiert.

Neun von zehn Kin­dern mit Down­syn­drom wer­den mitt­ler­wei­le abge­trie­ben

Die Vor­sit­zen­de des baye­ri­schen Lan­des­ver­ban­des der „Christ­de­mo­kra­ten für das Leben“ (CDL), Chris­tia­ne Lam­brecht (Murnau bei Gar­misch-Par­ten­kir­chen), sieht das ähn­lich. Der­zeit wer­de die Bera­tungs­qua­li­tät und –zeit nicht über­prüft: „Es kann nicht sein, dass eine Frau bereits nach fünf Minu­ten den zur Abtrei­bung berech­ti­gen­den Schein erhält.“ Als wei­te­ren Grund für die stei­gen­den Abtrei­bungs­zah­len sieht Lam­brecht die Zunah­me von Blut­tests bei Schwan­ge­ren, durch die nach Erkran­kun­gen wie Tri­so­mie 21 gesucht wer­de: „Neun von zehn Kin­dern mit der Dia­gno­se Down­syn­drom wer­den mitt­ler­wei­le abge­trie­ben.“

Weni­ger Kin­des­tö­tun­gen im Mut­ter­leib muss The­ma Num­mer eins wer­den

Die neue Bun­des­re­gie­rung müs­se bes­se­re Bedin­gun­gen für Fami­li­en schaf­fen, die Qua­li­tät in der Schwan­ger­schafts­be­ra­tung erhö­hen und für eine aus­ge­wo­ge­ne Bericht­erstat­tung in den öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten sor­gen. Lam­brecht: „Das Bewusst­sein, dass jeder Mensch, ob gebo­ren oder unge­bo­ren, alt oder jung, behin­dert oder top­fit, ‚einer von uns’ ist, muss drin­gend neu geformt wer­den.“ Auch der Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen Evan­ge­li­schen Alli­anz, Hart­mut Steeb (Stutt­gart), zeig­te sich ent­setzt. Er schrieb auf Face­book: „Eine Groß­stadt­be­völ­ke­rung wur­de 2017 wie­der mal ein­fach ‚ent­sorgt’.“ Wie man zu weni­ger Kin­des­tö­tun­gen im Mut­ter­leib kom­me, müs­se zum The­ma Num­mer eins der Bun­des­re­gie­rung wer­den.